Jeder Mensch trägt zwei Exemplare des menschlichen Genoms in sich, je eines von jedem der beiden Elternteile. Bevor ein Elternteil sein Genom an ein Kind weitergibt, tauschen die beiden Genom-Exemplare in einem zufällig ablaufenden Prozess Abschnitte aus („Crossover“) und setzen sich wieder zu einem vollständigen Genom zusammen („Rekombination“). Eines der beiden Genom-Exemplare wird an das Kind weitergegeben (siehe Abbildung 1) – aber welches, das bestimmt der Zufall. (Bitte beachten Sie, dass diese Abbildungen den Prozess vereinfachen; das Genom besteht aus Milliarden von Buchstaben, und normalerweise gibt es Dutzende von Crossovern.)


Abbildung 1. Vererbung der DNA von Eltern an Kinder. A: Jedes Elternteil hat seinen Genbestand (sein Genom) von seinen Eltern geerbt, also von den Großeltern des Kindes. B: Die Genome beider Elternteile rekombinieren sich und werden dann weitergegeben. C: Das Kind erbt ein rekombiniertes Genom von jedem Elternteil.


Von Geschwistern geerbte DNA

Bei jeder Weitergabe der DNA vom Elternteil an das Kind kommt es zu unterschiedlichen Crossovern, so dass überhaupt nicht vorhersehbar ist, wie das an das Kind weitergegebene Chromosom aussehen wird. Deswegen haben Ihre Geschwister eine andere DNA als Sie. 

Wenn beispielsweise ein Bruder und seine Schwester einen DNA-Test machen, wird sich zeigen, dass lange DNA-Abschnitte bei ihnen identisch sind. Ein jeder solcher übereinstimmender Abschnitt wird als „DNA-Match“ bezeichnet (siehe Abbildung 2). Manchmal liegen die Matches bei Geschwistern in den blauen und den roten Abschnitten ihrer Chromosomen, und manchmal nur in den blauen oder nur in den roten.



Abbildung 2. Vererbung der DNA an Geschwister. A: Jedes Elternteil hat seinen Genbestand (sein Genom) von seinen Eltern geerbt, also von den Großeltern des Kindes. B: Zwei Geschwister erben unterschiedliche DNA-Abschnitte. Vielerorts stimmt die DNA überein (Abschnitte mit gleicher Farbe), aber in Fällen, wo beide Chromosomen von einem anderen Großelternteil geerbt wurden, gibt es kein DNA-Match.

 

Von Cousins geerbte DNA

Sehen wir uns an, wie die DNA an Cousins ersten Grades weitergegeben wird. Abbildung 3 zeigt einen DNA-Abgleich zwischen zwei Cousins ersten Grades. Cousins ersten Grades (die ein Großelternpaar gemeinsam und sonst keine gemeinsamen Vorfahren haben) können nur auf einem von zwei Chromosomen Übereinstimmungen haben. Wichtig ist zu wissen, dass Cousins ersten Grades weniger DNA-Übereinstimmungen haben als Geschwister. Die Menge der übereinstimmenden DNA hilft uns beim Abschätzen, wie eng die Beziehung zwischen ihnen ist.


Abbildung 3. Vererbung der DNA an Cousins 1. Grades. A sind die gemeinsamen Großeltern der Cousins C, D und E. B sind die Kinder von A und die Eltern von C, D und E. C, D und E sind die Enkel der Großeltern. Die grauen Bereiche stellen DNA dar, die von anderen Vorfahren als dem Paar A geerbt wurde.


Abbildung 4 zeigt, wie DNA an entfernte Cousins vererbt wird. Alle drei Cousins stammen von zwei gemeinsamen Vorfahren ab. Damit diese entfernten Cousins allerdings ein DNA-Match haben, reicht es nicht aus, dass sie etwas DNA von einem gemeinsamen Vorfahren erben, sondern sie müssen dieselbe DNA erben. Cousins C und D sind ein DNA-Match, ebenso Cousins D und E. Cousins C und E sind jedoch kein DNA-Match: aus der DNA alleine ergibt sich kein Hinweis auf eine Verwandtschaft.


Abbildung 4. Vererbung der DNA an entferntere Cousins. A sind die gemeinsamen Vorfahren der Cousins C, D und E. B sind die Kinder der Vorfahren A. C, D und E sind Nachkommen dieser Vorfahren. Die grauen Bereiche stellen DNA dar, die von anderen Vorfahren als dem Paar A geerbt wurde.


Wie Sie sehen, bleibt nach mehreren Generationen nur noch wenig DNA von einem gemeinsamen Vorfahren erhalten. Und weil bei der Rekombination ganze DNA-Abschnitte ausgetauscht werden und es dem Zufall überlassen ist, welche DNA-Abschnitte Sie erben, kann es sogar sein, dass Sie von einigen Vorfahren überhaupt keine DNA geerbt haben. Tabelle 1 zeigt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Sie DNA von einem entfernten Vorfahren erben. Je mehr Generationen zwischen Ihnen und dem Vorfahren liegen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie keine DNA von ihm geerbt haben.

Generationen, die entfernt wurdenWahrscheinlichkeit einer geerbten DNA
1100 %
2100 %
3100 %
4100 %
5100 %
699,99 %
799,5 %
896 %
984 %
1064 %


Tabelle 1. Die Wahrscheinlichkeit, DNA von einem Vorfahrenpaar zu erben (wie z. B. Ihren Urgroßeltern).


Jemand ist dann Ihr DNA-Match, wenn derselbe DNA-Abschnitt an Sie beide vererbt wurde. Da die DNA-Rekombination vollkommen zufällig abläuft, ist es gut möglich, dass Sie beide nicht dieselbe DNA geerbt haben. Tabelle 2 zeigt, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie und ein Cousin eine übereinstimmende DNA haben.

BeziehungWahrscheinlichkeit einer DNA-Übereinstimmung
Geschwister100 %
Cousins 1. Grades100 %
Cousins 2. Grades100 %
Cousins 3. Grades98 %
Cousins 4. Grades71 %
Cousins 5. Grades32 %
Cousins 6. Grades11 %
Cousins 7. Grades3,2 %


Tabelle 2. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie und ein Cousin dieselbe DNA von einem gemeinsamen Vorfahren geerbt haben.    


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