Ergebnisse einer DNA-Auswertung können großen Einfluss darauf haben, wie wir unsere familiären Verbindungen sehen. Wenn Ihre Ergebnisse Aussagen enthalten, mit denen Sie nicht gerechnet haben, finden Sie auf dieser Seite hoffentlich Hinweise, die Ihnen bei der Interpretation helfen können.
Unerwartete Matches oder Beziehungen
Wenn Sie feststellen, dass Ihnen eine unbekannte Person als nahe Verwandte angezeigt wird oder dass ein Familienmitglied in einer unerwarteten Kategorie angezeigt wird, fragen Sie sich sicherlich, ob diese Ergebnisse stimmen.
In dieser Situation gibt es mehrere mögliche Erklärungen. Wir erklären hier einige dieser Szenarios.
Zuerst die Grundlagen:
Wenn jemand in der Liste Ihrer DNA-Matches als Verwandte/r 3. und 4. Grades oder näher angezeigt wird, können Sie von einer gesicherten biologischen Verwandtschaft ausgehen. Das bedeutet, dass die DNA-Matches in den folgenden Kategorien definitiv mit Ihnen verwandt sind:
- Elternteil/Kind
- Bruder/Schwester
- Nahe Verwandte
- Verwandte 1. und 2. Grades
- Verwandte 2. und 3. Grades
- Verwandte 3. und 4. Grades
Was bedeutet das?
Wenn ein Match als Ihr Elternteil, Kind oder Geschwister gekennzeichnet wird, können Sie sicher sein, dass wir die genetische Verwandtschaft korrekt identifiziert haben (ausgenommen den extrem seltenen Fall vertauschter Proben, etwa wenn zwei Personen gleichzeitig ihre Speichelprobe abgeben und versehentlich die Probenröhrchen vertauschen). Die Kinder eineiiger Zwillinge sind ein Sonderfall: Sie sind zwar Cousins, werden einander aber als Halbgeschwister angegeben. Die Zwillinge selbst werden als Eltern beider Gruppen von Cousins angegeben.
Für die Einordnung in die Kategorie „Nahe Verwandte“ und alle weiteren Verwandtschaftsgrade ist die Menge gemeinsamer DNA maßgeblich. Aus diesem Grund finden Sie weiter entfernte Verwandte eventuell nicht immer in der erwarteten Kategorie. Jemand in der Kategorie „Verwandte 1. und 2. Grades“ könnte tatsächlich ein Cousin ersten Grades sein, möglicherweise aber auch Ihr Urgroßvater, Ihr Großneffe, Großonkel, Halbneffe oder noch etwas anderes. Um die tatsächliche Verwandtschaftsbeziehung festzustellen, müssen Sie eventuell noch Aufzeichnungen oder andere Informationen heranziehen.
Für diese Unsicherheiten gibt es eine wissenschaftliche Erklärung: Bei biologischen Verwandtschaftsbeziehungen gibt es eine Spanne der möglichen gemeinsamen DNA. Großeltern und Enkelkinder (die meist als „nahe Verwandte“ angegeben werden) können DNA-Mengen zwischen 1.200 und 2.300 Centimorgans miteinander gemeinsam haben. Bei Cousins ersten Grades können das zwischen 480 und 1.300 gemeinsame Centimorgans sein. Da die Centimorgan-Spannen sich hier überlappen, kann es sein, dass Verwandte mit beispielsweise gemeinsamen 1.250 Centimorgans entweder als nahe Verwandte oder als Verwandte 1. und 2. Grades eingeordnet werden.
Genetische Gemeinsamkeiten mit Personen, die als Verwandte 4. Grades oder entfernter eingeordnet werden, sind nicht immer auf gemeinsame Vorfahren zurückzuführen. Solche Gemeinsamkeiten können ebenso durch DNA-Abschnitte entstehen, die häufig in den Bevölkerungsgruppen vorkommen, aus denen Sie beide stammen. Das ist um so wahrscheinlicher, wenn die Menschen ihre Ehepartner häufig aus derselben Gruppe gewählt haben, etwa bei Inselbewohnern.
Fehlende Matches
Wenn Sie einen Match vermissen oder an der Stelle einer erwarteten Person jemand Unbekanntes entdecken, machen Sie sich bewusst, dass Ihre DNA-Matches biologische Verwandte sind. Adoptivverwandte, Stiefverwandte und Personen, die in Ihre Familie eingeheiratet haben, haben in der Regel keine gemeinsame DNA mit Ihnen.
Was hat es also zu bedeuten, wenn ein biologisches Familienmitglied nicht aufgeführt ist oder jemand Unerwartetes in der Liste auftaucht? Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen:
- Die betreffenden Personen haben keinen AncestryDNA®-Test gemacht.
- Sie und die gesuchte Person aus Ihrer Verwandtschaft haben DNA-Tests von unterschiedlichen Anbietern gemacht. Schauen Sie beide nach, bei wem Sie den Test gemacht haben: Damit Sie einander bei Ancestry als Matches angezeigt werden, müssen Sie beide einen AncestryDNA®-Test gemacht haben.
- Die fehlende Person hat sich entschieden, keine Matches zu sehen und diesen auch nicht angezeigt zu werden.
- Ihre Liste wurde noch nicht aktualisiert, seit die gesuchte Person ihre Ergebnisse erhalten hat. Es kann bis zu 24 Stunden dauern, bis neue Verwandte angezeigt werden.
- Sie oder die gesuchte Person haben eine Knochenmarkspende von einer fremden Person erhalten. Wenn jemand eine Knochenmarktransplantation erhalten hat, enthalten einige seiner Zellen die DNA der Person, die das Knochenmark gespendet hat, und das kann sich auf DNA-Übereinstimmungen auswirken.
Es ist auch möglich, dass eine Person, die Sie für eine nahe Verwandte gehalten haben, gar nicht biologisch mit Ihnen verwandt ist. Ein Fehler ist zwar nicht völlig auszuschließen, aber extrem unwahrscheinlich. Bei Verwandten 2. und 3. Grades oder enger sind die ermittelten Verwandtschaftsbeziehungen fast immer korrekt.
Was nun?
Wir verstehen, dass es schwierig sein kann, zu erfahren, dass Sie mit einer Person nicht wie angenommen verwandt sind, oder unerwartet nahe Verwandte zu entdecken. Damit müssen Sie nicht alleine fertigwerden.
Wir legen Ihnen ans Herz, sich geeignete Hilfe zu holen, um diese Situation zu verarbeiten.